Heute schon gelacht?
Kaum etwas zeigt so offensichtlich den Zusammenhang von Körper, Geist, Psyche, Nervensystem und Sinnesorganen, wie das Lachen. Deswegen und weil es so gut für uns ist – sowohl für die Psyche als auch für den Körper – widme ich mich heute diesem Thema. Dabei möchte ich gerne weglassen, was es wissenschaftlich dazu zu sagen gibt: über Hormone und Rezeptoren und Hirnareale und all diese Dinge, über die viel zu viel gesprochen und viel zu wenig gewusst wird.
Bevor Sie weiterlesen: Denken Sie an etwas, das Sie wirklich komisch finden:
Vielleicht eine Szene aus einem Film. Eine vollkommen absurde Situation. Einen Satz, bei dem Sie und Ihr(e)Freund(in) schon seit zwanzig Jahren loslachen, während alle anderen verständnislos danebenstehen. Oder diesen einen Moment, in dem Sie unbedingt ernst bleiben mussten – und gerade deshalb nicht konnten. Was auch immer es ist: Holen Sie sich die Szene noch einmal heran. Wo waren Sie? Wer war dabei? Was wurde gesagt? Und was genau war so unglaublich komisch? – Lassen Sie sich einen Augenblick Zeit. – Tut sich schon etwas in Ihrem Gesicht?
Schmunzeln.
Vielleicht zuckt nur ein Mundwinkel. Ein kleines, fast heimliches Vergnügen. Sie müssen nichts sagen. Sie wissen ja, was Sie gerade denken.
Lächeln.
Jetzt bewegt sich der Mund deutlicher, die Wangen heben sich. Vielleicht verändert sich auch der Ausdruck um Ihre Augen. Noch bleibt es still. Aber jemand, der Ihnen gegenübersitzt, würde möglicherweise fragen: „Was ist denn?“
Grinsen.
Das Vergnügen wird breiter. Vielleicht zeigen Sie die Zähne. Vielleicht versuchen Sie noch, das Grinsen zu unterdrücken – was die Sache gelegentlich erst recht schwierig macht.
Kichern.
Nun bekommt das Ganze einen Ton. Kleine, kurze Laute. Vielleicht legen Sie eine Hand vor den Mund. Als ließe sich das Lachen damit noch aufhalten.
Glucksen.
Ein Lachen in kleinen Schüben. Für einen Moment wird es still, dann kommt noch einer hinterher. Die Erinnerung reicht offenbar aus, um die nächste Runde auszulösen.
Losprusten.
Jetzt ist es passiert. Die Luft entweicht plötzlich und hörbar. Wer gerade einen Schluck Kaffee im Mund hat, ist im Nachteil.
Lachen. Herzhaft lachen. Laut auflachen.
Der Mund öffnet sich, die Augen werden schmaler. Die Luft kommt stoßweise heraus. Ihr Lachen hat seinen eigenen Klang. Vielleicht erkennen Ihre Freunde Sie daran, bevor sie Sie sehen.
Wiehern. Grölen. Sich ausschütten vor Lachen.
Die Wörter werden lauter, und vielleicht werden Sie es auch. Ihr Oberkörper bewegt sich mit. Sie lehnen sich zurück oder beugen sich nach vorne. Die Schultern hüpfen. Sich würdevoll zu benehmen verliert vorübergehend an Bedeutung.
Tränen lachen. Sich kringeln. Sich den Bauch halten.
Jetzt versteht man, warum wir diese Ausdrücke benutzen. Die Augen tränen tatsächlich. Der Körper krümmt sich, die Bauchmuskeln machen sich bemerkbar. Vielleicht möchten Sie erklären, worüber Sie lachen. Aber bis zum Ende des Satzes kommen Sie nicht.
Sich kaputtlachen. Sich schlapp lachen. Sich totlachen.
Unsere Sprache kennt kaum noch ein Maß. Sie bekommen vor Lachen kein Wort heraus, müssen erst einmal wieder Luft holen. Und kaum sehen Sie das Gesicht Ihres Gegenübers, geht es von vorne los.
Dann wird es langsam ruhiger. Ein letzter kleiner Lacher. Ausatmen. Vielleicht die Augen abwischen. Den Bauch loslassen.
Wie fühlen Sie sich jetzt?
Aber vielleicht ist Ihnen gar keine lustige Szene eingefallen, sondern vielleicht haben Sie einfach weitergelesen – wovon ich, ehrlich gesagt, stillschweigend ausgehe 🙂 (Lächeln :-))
Und trotzdem: Hat es beim Lesen irgendwo ein bisschen gezuckt? Im Mundwinkel? Haben Sie sich jemanden vorgestellt, der kichert, prustet oder sich den Bauch hält? Vielleicht ist allein durch die Beschreibung ein kleines Schmunzeln entstanden. Oder zumindest eine Vorstufe von Fröhlichkeit. Dann hätten ja schon ein paar Wörter genügt – Und da soll noch einer sagen, Körper und Seele hätten nichts miteinander zu tun! Sie haben etwas gelesen oder sich an etwas erinnert. Und schon bewegen sich Ihre Mundwinkel, verändert sich Ihre Atmung, bebt vielleicht Ihr Bauch. Ein Gedanke – und der Körper lacht mit.
Das Erstaunliche ist, auf wie vielen Wegen das Lachen zu uns kommen kann: Ich kann etwas Lustiges lesen. Schwarze Zeichen auf weißem Grund – und plötzlich muss ich grinsen. Ich kann etwas Komisches sehen: einen Gesichtsausdruck, eine unerwartete Bewegung, eine Situation, die so vollkommen anders ausgeht als gedacht. Ich kann jemanden lachen hören, ohne überhaupt zu wissen, worüber. Und schon möchte mein eigenes Lachen mitmachen. Aber ich brauche nicht einmal etwas von außen. Ich kann mich erinnern. Mir ein Bild vorstellen, eine Stimme, ein Geräusch. Manchmal reicht ein einziger Satz im Kopf, und eine längst vergangene Szene wird wieder lebendig. Wer mich dann sieht, sieht einen Menschen, der scheinbar ohne Anlass lächelt. Dabei ist der Anlass da – nur eben in mir.
Und manchmal beginnt es mit dem Körper. Ich ziehe die Mundwinkel hoch, probiere ein Lächeln aus. Es fühlt sich zunächst ungewohnt an. Eventuell verändert sich dabei auch ein wenig meine Stimmung. Fröhlichkeit lässt sich damit nicht erzwingen, aber gelegentlich bekommt sie eine kleine Einladung.
Dann lächle ich jemanden an. Der andere lächelt zurück. Jetzt habe ich einen neuen Grund, mich zu freuen. Aus einer Bewegung meines Mundes ist eine Begegnung geworden.
Wo beginnt dieser Kreislauf? Beim Gedanken, beim Gefühl, beim Körper? Bei mir oder beim anderen?
Beim Lachen lässt sich das kaum auseinanderhalten: Eine Erinnerung bewegt mein Gesicht. Mein Gesicht bewegt mein Gegenüber. Seine Antwort berührt mich. Ich höre mein eigenes Lachen, spüre meinen bebenden Bauch – und muss darüber gleich noch einmal lachen.
Oft werde ich gefragt, was ich unter ganzheitlich verstehe. Die Menschen meinen dann oft, ob ich Homöopathie einsetze. Das verstehe ich schon … aber eigentlich denke ich dann ans Lachen.
Leider Reklame, aber ein wirklich tolles Video dazu ist das hier: Happiness starts with a smile
Herzlich, Ihre Hausärztin auf Mallorca Dr. Ines Augele
Diesen Beitrag gibt es auch auf Spanisch!
Aus der Praxis – anders gelesen.
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