Aus meiner Praxis
Riechen ist Erinnern ohne Nachdenken
Letzte Woche habe ich über das Sehen geschrieben. Diese Woche geht es um Riechen und Erinnerung. Hier ist der Frühling eingekehrt, und plötzlich ist es nicht mehr das Auge, das zuerst wahrnimmt, sondern die Nase. Es riecht nach Jasmin, nach Orangenblüten, nach Aufbruch. Und sofort merkt man, wie merkwürdig direkt dieser Sinn ist. Ein Geruch braucht keine Erklärung. Er ist einfach da — und mit ihm oft auch schon ein Gefühl, eine Erinnerung oder eine Reaktion. Riechen und Erinnerung sind dabei enger verbunden, als man zunächst denkt.
Erstaunlich ist, wie oft wir vom Riechen sprechen, obwohl gar kein Duft in der Luft liegt. Wir haben einen guten Riecher, riechen den Braten, merken, dass etwas faul riecht, können jemanden nicht riechen und beschnuppern uns erst einmal. Kaum ein anderer Sinn hat sich so tief in die Sprache eingegraben. Und das ist wohl kein Zufall. Denn Riechen ist kein neutraler Sinn. Die Nase urteilt schnell. Sie sortiert in vertraut oder fremd, angenehm oder unerquicklich, sicher oder verdächtig – lange bevor der Verstand seine Erklärung nachliefert.
Der Geruch ist die leise Sprache der Vergangenheit
Anatomisch ist das gut nachvollziehbar. Geruchsmoleküle gelangen in die Nase zur Riechschleimhaut, werden dort von spezialisierten Nervenzellen erkannt und als Signal weitergeleitet. Diese Informationen laufen über den Riechkolben direkt in Hirnbereiche, die eng mit Emotion und Erinnerung verknüpft sind, vor allem ins limbische System. Deshalb wirkt ein Geruch so unmittelbar. Er wird nicht erst durchdacht, sondern trifft sofort auf bereits gespeicherte Erfahrung. Nicht als klare Geschichte, sondern als Zustand: vertraut, unangenehm, tröstlich oder alarmierend. Interessant ist dabei, dass der Geruch im Gehirn einen ungewöhnlich direkten Weg nimmt. Während andere Sinneseindrücke zunächst stärker gefiltert und eingeordnet werden, erreicht der Geruch sehr schnell Netzwerke, die mit Emotion, Alarmbereitschaft und Gedächtnis zu tun haben. Darum kann ein Duft sofort etwas in uns auslösen: Trost, Unruhe, Nähe oder Abwehr. Erst danach versucht der Verstand, diese Reaktion in Worte zu fassen.
Ein Duft wie Jasmin oder Orangenblüte ist dann nicht einfach nur angenehm, sondern berührt etwas, das älter ist als jeder bewusste Gedanke darüber. Genau deshalb stimmt der Satz: Riechen ist Erinnern ohne Nachdenken. Riechen und Erinnerung sind auch medizinisch eng verknüpft.
In der Medizin ist das nicht nur poetisch, sondern sehr praktisch: Ein fruchtiger Atem kann auf Aceton hinweisen, Urin kann sich bei einer Infektion deutlich verändern, und eine Alkoholfahne erklärt sich meist von selbst. Der Körper hinterlässt Spuren — auch über den Geruch. Manchmal grob, manchmal subtil, aber oft früher als andere Zeichen.
Besonders eindrücklich war das für mich in der Kinderheilkunde. Wenn ich das gelbe Untersuchungsheft eines Kindes in die Hand bekam, hatte ich manchmal das Gefühl, nicht nur Papier zu berühren, sondern ein Stück Zuhause. Manche Hefte rochen nach Rauch, andere nach Kaffee, manche trugen noch etwas Schwereres mit sich. Bevor viel gesprochen war, war bereits ein Teil des Umfeldes im Raum. Nicht als Bewertung, sondern als Kontext.
Vielleicht ist unsere Sprache deshalb so voll von Wendungen aus dem Bereich des Riechens, weil Geruch genau für diese schwer erklärbaren, aber deutlich spürbaren Dinge steht. Riechen und Erinnerung stehen dabei oft stellvertretend für das, was wir früh wahrnehmen, aber schwer erklären können: Für Intuition, für Beziehung, für Misstrauen, für Erinnerung. Für all das also, was der Körper längst wahrgenommen hat, während der Kopf noch nach Worten sucht.
Wie Sehen funktioniert
Ein Blick im Museum
Wie Sehen funktioniert, zeigt sich manchmal dort, wo man es nicht erwarten würde.
Im Museum of Modern Art in New York saß die Künstlerin Marina Abramović tagelang still auf einem Stuhl. Menschen konnten sich ihr gegenüber setzen – und ihr einfach nur in die Augen schauen. Mehr passierte nicht.
Und doch begannen viele zu weinen.
Was passiert hier eigentlich – aus medizinischer Sicht?
Mehr zur Performance im MoMA: https://www.moma.org/audio/playlist/243/3133
Ein Bild – und vielleicht mehr als eines
Ich habe Ihnen oben ein Bild eingefügt. Auf den ersten Blick sehen Sie meinen Hund. Von hinten. Er sitzt vor einem Tisch.
Und das stimmt auch.
Aber wenn Sie einen Moment länger hinschauen, passiert etwas Interessantes. Formen verschieben sich. Linien bekommen eine andere Bedeutung.
Und plötzlich sehen Sie etwas anderes.
👉 Was sehen Sie? – Ich bin gespannt!
Wie Sehen funktioniert – medizinisch betrachtet
Sehen beginnt im Auge, aber es entsteht im Gehirn. Licht trifft auf die Netzhaut, wird von Stäbchen und Zapfen in elektrische Signale umgewandelt und über den Sehnerv weitergeleitet.
Doch schon in der Netzhaut findet eine erste Verarbeitung statt: Kontraste werden verstärkt, Bewegungen erkannt, Informationen gefiltert. Im visuellen Teil der Großhirnrinde entsteht daraus kein einfaches Abbild der Realität, sondern eine Interpretation.
Wie Sehen funktioniert, bedeutet also immer auch: Das Gehirn entscheidet, was wir wahrnehmen.
Der blinde Fleck – ein Schlüsselprinzip
Ein besonders eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Sehen funktioniert, ist der sogenannte blinde Fleck. An dieser Stelle treten die Nervenfasern aus dem Auge aus – ohne Sinneszellen. Eigentlich müssten wir dort nichts sehen.Und dennoch nehmen wir kein Loch wahr.
Das Gehirn ergänzt die fehlenden Informationen automatisch – basierend auf Erfahrung, Umgebung und Wahrscheinlichkeit.
Sehen als Konstruktion
Wenn man versteht, wie Sehen funktioniert, wird klar: Wir nehmen nicht einfach eine objektive Realität wahr. Das Gehirn nutzt Erfahrungen, Erwartungen und Kontext, um aus fragmentarischen Signalen ein stimmiges Gesamtbild zu erzeugen. Diese Perspektive findet sich auch in modernen Denkmodellen wieder, etwa im Konstruktivismus.
Warum Blickkontakt neurologisch so intensiv ist
Wenn zwei Menschen sich in die Augen schauen, arbeitet das visuelle System auf höchstem Niveau. Gesichter – und insbesondere Augen – gehören zu den wichtigsten Reizen für unser Gehirn. Dabei verarbeitet es feinste Details: minimale Augenbewegungen, Veränderungen der Pupillengröße und kleinste muskuläre Spannungen.
Diese Präzision erklärt, warum eine scheinbar einfache Situation wie im Museum eine so starke Wirkung entfalten kann.
Was das für die Medizin bedeutet
Zu verstehen, wie Sehen funktioniert, hat direkte klinische Relevanz.
In der ärztlichen Praxis liefert der Blick wichtige Hinweise:
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Qualität des Blickkontakts
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Augenbewegungen und Fixation
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Pupillenreaktionen
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Koordination beider Augen
Gleichzeitig gilt auch für uns als Ärztinnen und Ärzte: Unsere Wahrnehmung ist nie vollständig objektiv. Auch wir interpretieren – basierend auf Wissen, Erfahrung und Kontext.
Das bedeutet auch: Zwei Ärzte/Ärztinnen können denselben Patienten sehen – und zu unterschiedlichen Einschätzungen kommen.
Wenn Sie das Thema vertiefen möchten, finden Sie hier mehr zu Wahrnehmungsverzerrungen in der Medizin:
Und wenn Sie sich dafür interessieren, wie Wahrnehmung auch über Berührung und Begegnung entsteht:
Die Hand, die berührt
Ein Gedanke zum Schluss
Wir sehen die Welt nicht einfach, sondern wir erschaffen sie in jedem Moment.
Es lohnt sich, hin und wieder einen Moment länger hinzuschauen.
Es grüßt Sie herzlich
Ihre „Auge“le
Durch Meditation müde?
„Bevor wir anfangen, machen wir erst einmal eine kurze Atemübung.“
Dieser Satz fällt heute erstaunlich häufig. In Fortbildungen, in Schulklassen, manchmal sogar zu Beginn von Meetings. Alle sollen kurz die Augen schließen, den Atem spüren, langsamer werden.
Auch an diesem Morgen sitzen etwa zwanzig Menschen im Raum. Eine Teilnehmerin kommt aufmerksam herein: wach, interessiert, neugierig auf das Thema des Tages. Sie ist kein unruhiger Mensch, nicht überdreht, nicht hektisch. Aber mit dem ganzen Achtsamkeitskram konnte sie noch nie viel anfangen. Bei Sätzen wie „Spüren Sie einmal in sich hinein“ oder „Nehmen Sie Ihren Atem einfach wertfrei wahr“ geht sie innerlich eher auf Abstand. Nicht trotzig. Eher, weil sie nie das Gefühl hatte, dass ihr das wirklich etwas gibt.
Trotzdem macht sie mit. Die Augen werden geschlossen, der Atem soll langsamer werden, die Aufmerksamkeit richtet sich nach innen. Nach ein paar Minuten merkt sie etwas Merkwürdiges. Die anfängliche Wachheit verschwindet. Ihre Gedanken werden träger, die Energie sinkt. Die Konzentration, mit der sie gerade noch im Raum war, löst sich langsam auf. Statt ruhiger Präsenz entsteht ein anderes Gefühl: Müdigkeit. Ein leichtes Wegdriften. Ein Abstand zu dem, was eigentlich gerade passiert.
Als die Übung endet, fühlen sich viele Menschen entspannt. Sie dagegen fühlt sich seltsam leer – und weniger wach als vorher.
Warum Meditation müde machen kann
Dass Meditation müde machen kann, überrascht viele Menschen. Die geschilderten Erfahrungen sind gar nicht so selten. Und sie bedeuten nicht, dass jemand „Meditation nicht kann“. Vielleicht reagiert einfach das Nervensystem anders. Viele Achtsamkeits- und Meditationsübungen zielen darauf ab, Aktivität zu reduzieren: weniger äußere Reize, weniger Bewegung, mehr Aufmerksamkeit nach innen. Für Menschen, deren Nervensystem unter hoher Spannung steht, kann das tatsächlich beruhigend wirken. Aber nicht jedes Nervensystem ist übererregt. Manche Menschen kommen bereits in einem Zustand in den Raum, der eher Richtung Untererregung tendiert. Ihr System braucht zunächst Aktivierung, Orientierung im Raum, Bewegung oder Kontakt – nicht noch mehr Verlangsamung. Wenn sie dann still sitzen, die Augen schließen und den Atem verlangsamen sollen, kann das den Zustand weiter absenken. Statt Klarheit entsteht Müdigkeit, statt Präsenz ein Gefühl von Distanz.
Für solche Menschen ist es oft schwer, ein Umfeld zu erleben, das von Meditation und Achtsamkeit schwärmt, während sie selbst damit nichts anfangen können. Was anderen guttut, lässt sie eher müde, leer oder innerlich entfernt zurück – und nicht selten mit dem Gefühl, mit ihnen stimme etwas nicht.
Vielleicht stimmt aber etwas anderes: Vielleicht brauchen unterschiedliche Nervensysteme unterschiedliche Wege, um wieder in ihre Balance zu finden.
Ein Bild kann helfen, das zu verstehen. Stellen Sie sich einen Fisch in einem Fluss vor. Ganz nah am Ufer ist das Wasser oft langsam und verwirbelt. Kleine Strudel entstehen, das Wasser steht fast ein wenig. Ein Fisch kommt da kaum voran und muss ständig kleine Richtungswechsel ausgleichen. Weiter draußen, in der Mitte des Flusses, wird die Strömung stark und schnell. Das Wasser trägt kraftvoll, verlangt aber auch viel Energie. Die meisten Fische suchen sich deshalb einen Bereich dazwischen: eine Strömung, die stark genug ist, um sie zu tragen, aber ruhig genug, um sich mühelos darin zu bewegen. Dort schwimmen sie leicht, wach und beweglich.
Unser Nervensystem verhält sich gar nicht so anders. Manche Menschen brauchen zunächst Beruhigung, andere eher Aktivierung. Manche finden ihren Zugang zur inneren Balance in der Stille, andere eher in Bewegung, Rhythmus, Natur oder Begegnung. Ein Teil dieser Zusammenhänge wird auch in der sogenannten Polyvagal-Theorie beschrieben.
Genau deshalb erlebe ich in meiner Praxis in Selva, Mallorca, bei der Begleitung chronischer Erkrankungen mit Pferden immer wieder etwas Interessantes: Menschen, die über klassische Meditation oder stille Achtsamkeitsübungen kaum Zugang zu sich finden, kommen in der Begegnung mit einem Pferd oft plötzlich in eine ganz andere Form von Präsenz. Nicht, weil sie etwas „richtig machen“, sondern weil ihr Nervensystem auf etwas Reales antwortet: auf Bewegung, Resonanz, Klarheit, Körperlichkeit und unmittelbare Rückmeldung.
Ein Pferd verlangt keine perfekte Innenschau. Es reagiert auf das, was tatsächlich da ist – und genau darin kann die Erfahrung liegen, wieder den eigenen Platz in der Strömung zu finden.
Die Hand, die berührt
Manchmal berührt man sich selbst, ohne es bewusst wahrzunehmen. Die linke Hand fährt über die rechte, eine kurze, beiläufige Bewegung. Und doch geschieht dabei etwas Interessantes: Zwei Hände sind beteiligt – und beide fühlen. Die eine wird berührt. Die andere berührt – und registriert ebenfalls.
Denn die Hand, die streicht, spürt nicht weniger als die, die berührt wird. Sie nimmt Druck wahr, Temperatur, Widerstand und feine Unterschiede der Haut. Berührung ist kein einseitiger Vorgang. Sie ist Austausch.
Ein kleiner Handgriff
Wenn Sie mögen, probieren Sie es aus. Streichen Sie mit der linken Hand über den rechten Handrücken.
Richten Sie die Aufmerksamkeit zunächst nur auf die Hand, die berührt wird. Was nehmen Sie wahr? Wärme, Druck, Bewegung.
Dann auf die andere Seite die, die berührt. Wie verändert sich das Empfinden in den Fingerkuppen, wenn die Bewegung langsamer wird oder der Druck minimal variiert?
Und schließlich: Versuchen Sie, beide Seiten gleichzeitig wahrzunehmen – Geben und Empfangen. Viele Menschen bemerken dabei etwas Unerwartetes: Aufmerksamkeit lässt sich verschieben. Zwischen beiden Händen. Zwischen beiden Perspektiven.
Auf der Hand liegend
Hände sind Sinnesorgane. Sie erfassen nicht nur die Umwelt, sondern ermöglichen auch Selbstwahrnehmung. Der Körper tritt mit sich selbst in Kontakt. Eine scheinbar einfache Geste wird zu einem komplexen Wahrnehmungsvorgang.
Begriffene Berührung
Vielleicht erklärt diese enge Verbindung von Hand und Wahrnehmung, warum unsere Sprache voller Berührungen ist. Wir sprechen davon, dass uns etwas berührt, dass uns Worte anfassen, dass uns eine Begegnung nahegeht.
Wir begreifen Zusammenhänge. Wir erfassen Situationen. Wir lassen Dinge los.
Was ursprünglich aus der Welt der Hände stammt, ist tief in unsere Beschreibung innerer Erfahrungen eingegangen. Berührung wurde zum sprachlichen Bild – für Nähe, für Wirkung, für Beziehung.
Zum Mitnehmen
Berührung ist aus biologischer Sicht ein Austausch von Information. Rezeptoren registrieren Druck, Temperatur und Bewegung. Das Gehirn verarbeitet, ordnet ein, reagiert.
Doch unabhängig von der neurobiologischen Ebene bleibt eine einfache Erfahrung: Kontakt wirkt selten nur in eine Richtung.
Und noch etwas
Manche Gedanken beginnen mit einer kleinen Berührung. So geschehen in diesem Fall im Philosophischen Radio: Jochen Hörisch: Warum Hände unser Denken prägen
Vegetatives Nervensystem – wenn der Körper schneller ist als der Kopf
Ein uraltes biologisches Programm
Ein Tier wird verfolgt. Der Körper spannt sich.
Entweder Kampf. Oder Flucht.
Und wenn beides nicht möglich ist? Dann geschieht etwas Überraschendes:
Der Körper erstarrt.
Was wir hier beobachten, ist kein bewusstes Verhalten. Es ist ein automatisches biologisches Programm. Diese Programme sind uralt – und sie existieren bis heute, bei Tieren wie bei Menschen.
Drei klassische Reaktionsmuster
Vereinfacht gesagt kennt unser Nervensystem drei grundlegende Programme:
Kampf


Kampf bedeutet Mobilisierung.
Der Organismus aktiviert Energie, Spannung und Handlung. Muskelspannung steigt.Der Körper wird handlungsbereit.
Flucht


Flucht bedeutet Distanz und Schutz.
Nicht jede Flucht ist körperlich sichtbar so sichtbar wie in dem Bild. Heutzutage könnte das auch heissen: Kündigung.
Starre – Immobilität und Rückzug
Starre entsteht, wenn weder Kampf noch Flucht möglich erscheinen. Der Körper reduziert Aktivität.Das kann sich im Alltag anfühlen wie:
Blockade – Sprachlosigkeit – Innere Lähmung
Der Körper entscheidet zuerst
Für diese Reaktionen besitzt der Organismus ein eigenes Steuerungssystem:
Das vegetatives Nervensystem, in der Medizin auch autonomes Nervensystem genannt. Es reguliert zahlreiche Prozesse, ohne dass wir darüber nachdenken müssen:
Herzschlag
Atmung
Muskelspannung
Gefäßtonus
Wachheit oder Rückzug
Der Körper reagiert schneller als der Verstand. Der Körper reagiert zuerst und der Verstand erklärt später. Unsere Umwelt hat sich im Laufe von Jahrmillionen verändert – aber unser Nervensystem eben nicht.
Einordnung im Rahmen moderner Modelle
Stephen Porges beschreibt diese Mechanismen im Rahmen der Polyvagal-Theorie als ein Modell zur Erklärung autonomer Regulationszustände.
Auch im Tierreich zeigt z. B.das Oppossum eindrücklich, wie unmittelbar das vegetatives Nervensystem reagieren kann:
➡️Oppossum Totstellreflex Video
👉 https://es.wikipedia.org/wiki/Teoría_polivagal
👉 https://www.polyvagalinstitute.org/
Erleben statt nur Verstehen
Wenn Sie Regulation und Ihren Einfluss auf Ihr tägliches Leben nicht nur verstehen, sondern praktisch erleben möchten: In meiner Praxis auf Mallorca können Sie diese Zustände im Rahmen der pferdegestützten Begleitung kennenlernen.
Schlussgedanke
Ein gut reguliertes Nervensystem ist nicht das, das immer ruhig ist. Sondern das, das flexibel reagieren kann!
In Würde altern
„Ich möchte lange leben – aber bitte nicht so.“
Diesen Satz höre ich als Ärztin immer häufiger – auch in meiner Praxis in Selva. (www.augele.eu). Er beschreibt eine Spannung, die viele Menschen kennen: den Wunsch nach mehr Zeit – und gleichzeitig die Angst vor einem Leben, das sich nicht mehr nach Leben anfühlt.
Im aktuellen medizinischen und gesellschaftlichen Diskurs taucht dafür ein Begriff auf: radikale Lebensverlängerung. Gemeint sind Ansätze, die nicht mehr nur einzelne Krankheiten behandeln, sondern direkt in biologische Alterungsprozesse eingreifen wollen. Die Frage lautet dann nicht mehr nur, wie wir gut alt werden, sondern wie weit wir das Ende überhaupt hinausschieben wollen. Der Wunsch, in Würde altern zu können, steht dabei oft im Gegensatz zu dem, was technisch möglich wäre.
Hinter dieser Entwicklung steht eine einfache, unbequeme Wahrheit: Der Tod ist ein Faktum. Er ist endgültig. Er lässt keine Perspektive mehr offen. Gerade diese Endgültigkeit treibt den Menschen dazu, Grenzen zu verschieben – heute nicht mehr mythologisch oder religiös, sondern medizinisch.
Doch damit stellt sich eine andere Frage immer dringlicher:
Geht es uns um mehr Jahre – oder um mehr Lebendigkeit in diesen Jahren?
Eine andere Sicht auf dasselbe
„Reframing“ ist der psychologische Begriff dafür: nicht schönreden, sondern anders einordnen.– So, dass neben dem, was wegfällt, auch sichtbar wird, was dadurch möglich wird.
Gerade beim Altern kann dieser Perspektivwechsel entscheidend sein.
In der Medizin beschreiben wir Altern oft über Defizite: weniger Belastbarkeit, mehr Diagnosen, geringere Reserven. Das ist korrekt – aber nicht vollständig. Dieselbe Realität lässt sich auch anders lesen:
| Was weniger wird | Was dadurch möglich wird |
|---|---|
| Körperliche Grenzen werden spürbar | Selbstfürsorge statt Selbstoptimierung |
| Belastbarkeit ist nicht beliebig steigerbar | Klarere Prioritäten |
| Berufliche Rollen verändern sich | Identität jenseits von Leistung |
| Soziale Kreise werden kleiner | Mehr Tiefe in Beziehungen |
| Zukunft wird überschaubarer | Gegenwart gewinnt an Wert |
| Autonomie nimmt ab | Hilfe annehmen können |
| Pläne werden kürzer | Momente werden intensiver |
| Kontrolle schwindet | Vertrauen und Loslassen |
Verdichtet lässt sich das so zusammenfassen:
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weniger Tempo → mehr Tiefe
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weniger Möglichkeiten → mehr Bedeutung
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weniger Zukunft → mehr Gegenwart
-
Weniger Kontrolle → Mehr Haltung
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Weniger Außen → Mehr Innen
Wenn Sie neugierig sind, was ein Leben lebendig macht – jenseits von Leistung und Optimierung –, lohnt sich Hartmut Rosa. Seine Idee der „Resonanz“ beschreibt jene Momente, in denen Leben nicht nur „abläuft“, sondern antwortet: Wir fühlen uns berührt, verbunden, gemeint. Und seine „Unverfügbarkeit“ erinnert daran, dass das Wesentliche sich nicht erzwingen lässt – aber passieren kann. Das könnte eigentlich ein eigenes Thema werden. Neugierig? Dann schauen Sie sich das gern hier an.
Die vollen Getreidespeicher
Der Psychiater Viktor Frankl hat sinngemäß geschrieben, man solle im Rückblick auf das Leben nicht auf die abgeernteten Felder schauen, sondern auf die gefüllten Getreidespeicher.
Nicht auf das, was nicht mehr geht.
Sondern auf das, was gelebt, getragen und bewältigt wurde.
Dieses Bild steht in einem spannenden Kontrast zur Idee der radikalen Lebensverlängerung. Während diese den Blick nach vorn richtet – auf noch mehr Zeit –, lädt Frankl dazu ein, das Gewordene zu würdigen. Vielleicht liegt darin eine Form von Würde, die sich nicht verlängern lässt, sondern anerkannt werden will.
Altern ist auch eine soziale Frage
Ob ältere Menschen ihre Jahre als gute Jahre erleben, hängt nicht nur von Diagnosen ab. Es hängt davon ab, ob sie eingebunden bleiben – in Beziehungen, Gespräche und Bedeutung. Und es hängt davon ab, ob sie innerlich die Möglichkeit finden, den Blick zu verschieben: weg vom reinen Verlustdenken hin zu dem, was bleibt.
Das oben beschriebene Reframing gelingt leichter, wenn es ein Gegenüber gibt, das mitträgt und begleitet.
Medizin, Tod und Begleitung
Für mich bedeutet in Würde altern, den Tod nicht auszuklammern, sondern ihn als Teil des Lebens mitzudenken. Ich sehe den Tod nicht als medizinisches Versagen, sondern als Teil des Lebens. Vielleicht wundert es manche, dass ich mich als Ärztin klar für die Möglichkeit der aktiven Sterbehilfe ausspreche. Nicht aus Geringschätzung des Lebens, sondern aus Respekt vor ihm.
Zur Würde gehört für mich auch, sich mit dem eigenen Lebensende auseinandersetzen zu dürfen – informiert, selbstbestimmt und begleitet. Meine Aufgabe sehe ich nicht darin, Entscheidungen vorzugeben, sondern Menschen auf diesem Weg zu begleiten: im Abwägen, im Lindern von Leid und, wenn es der Wunsch ist, auch im würdevollen Sterben. In Würde altern heißt nicht, alles Machbare auszuschöpfen, sondern Sinn, Maß und Selbstbestimmung ernst zu nehmen.
Vielleicht ist das die eigentliche Grenze der radikalen Lebensverlängerung: nicht die technische Machbarkeit, sondern die Frage nach Sinn, Maß und Würde. Der Tod erinnert uns daran, dass Leben endlich ist. Und gerade diese Endlichkeit macht Leben bedeutsam.
Hier finden Sie die Kontaktmöglichkeiten.
Eisbaden im Winter – 7 klare Effekte auf Körper und Psyche
Du willst kein Held sein. Dein Hund übrigens auch nicht – der bleibt klug am Ufer stehen und schaut dich an, als hättest du den Verstand verloren. Du gehst trotzdem ins Wasser.
Der Körper reagiert sofort: Atem hoch, Puls hoch, Alarm. Alles in dir will wieder raus. Genau hier beginnt eisbaden im winter. Nicht beim Aushalten, sondern beim Steuern. Du atmest aus. Lang. Noch einmal.
Und dann kippt etwas. Der Körper arbeitet weiter, aber der Kopf wird still. Für einen Moment ist alles klar.
Was Eisbaden im Körper auslöst
Kälte ist ein intensiver Reiz. Sobald du eintauchst, aktiviert dein Körper sein Stresssystem: Puls und Atemfrequenz steigen, Adrenalin wird ausgeschüttet. Das ist keine Gefahr, sondern Biologie. Entscheidend ist, was du daraus machst.
Der Trainingseffekt entsteht, wenn du den Reflex nicht „wegdrückst“, sondern regulierst: langsam einatmen, länger ausatmen. Die verlängerte Ausatmung ist wie ein Handgriff am Nervensystem. Sie signalisiert: Es ist kalt, aber ich bin sicher. Häufig folgt darauf eine parasympathische Gegenreaktion – der Körper schaltet vom Alarmmodus in Regulation.
7 Effekte vom Eisbaden – getrennt nach Körper und Psyche
Effekte auf den Körper
1) Gefäßtraining
Kälte verengt die Gefäße, Wärme weitet sie wieder. Dieses Wechselspiel ist ein Trainingsreiz für die Gefäßregulation.
2) Kreislauf-Impuls
Der kurzfristige Anstieg von Puls und Blutdruck wirkt – bei gesunden Menschen – wie ein kurzer, klarer Stimulus für das Herz-Kreislauf-System.
3) Entzündungsmodulation
Viele erleben Kälte als „entzündungsberuhigend“. Gerade bei wiederkehrenden Beschwerden berichten manche über spürbare Entlastung. (Das ersetzt keine Diagnostik – aber es erklärt, warum Kälte als Reiz so beliebt ist.)
4) Wärmeproduktion und Stoffwechsel
Nach dem Bad muss der Körper Wärme produzieren. Das ist Arbeit: Muskeln, Kreislauf und Energieumsatz springen an – ein natürlicher Stoffwechselreiz.
Effekte auf Psyche und Nervensystem
5) Stressresilienz
Du erlebst Stress – und bleibst handlungsfähig. Dein Nervensystem lernt: Alarm ist da, aber ich kann steuern. Genau das ist im Alltag oft der Unterschied zwischen „getrieben“ und „geführt“.
6) Mentale Klarheit
Kälte bündelt Aufmerksamkeit radikal. Grübeln hat in diesen Sekunden wenig Platz. Viele beschreiben danach eine klare, wache Ruhe.
7) Selbstwirksamkeit
Du gehst freiwillig in etwas Unangenehmes, bleibst kurz, regulierst dich und gehst wieder raus. Dieses Erlebnis ist simpel – und stark: Ich kann mich selbst führen.
Deutschland hat’s leichter
Wer in Deutschland lebt, hat es geografisch einfacher: Seen, Flüsse und echte Winter liefern von selbst ausreichend Kälte – und manchmal auch im Sommer :-). Das macht den Zugang unkompliziert, aber oft auch intensiver. Gerade deshalb gilt: langsam herantasten, nicht springen, nicht übertreiben.
Der Mythos vom Extrem-Eisbader
Spätestens seit Wim Hof hat Kälte diesen Superkraft-Glanz bekommen: atmen, frieren, „unbesiegbar“ werden. Forschung zu Kälteexposition und Atemmethoden zeigt durchaus interessante Aspekte – gleichzeitig wird klar vor Risiken gewarnt, vor allem bei Selbstüberschätzung oder Vorerkrankungen. Der entscheidende Unterschied ist nicht „extrem oder nicht“, sondern dosiert oder unkontrolliert. Eine gut lesbare Einordnung dazu liefert dieser Artikel:
So startest du sicher
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Nie allein ins Wasser gehen.
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Langsam eintauchen (kein Sprung).
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Für den Anfang reichen 30–90 Sekunden völlig.
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Rausgehen, bevor Zittern unkontrolliert wird oder die Atmung nicht mehr ruhig wird.
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Danach aktiv aufwärmen: gründlich abtrocknen, trockene Kleidung, gehen, leichte Bewegung.
Eisbaden ist keine Mutprobe. Es ist ein kleines Training für Regulation.
Wann Vorsicht geboten ist
Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, starkem Bluthochdruck, schweren Lungenerkrankungen, Raynaud-Syndrom oder in der Schwangerschaft sollte vorher ärztlich abgeklärt werden, ob Kälteexposition sinnvoll ist.
Mehr als nur ein Kältereiz
Eisbaden kann ein erstaunlich direkter Weg zu mehr Präsenz sein: Atem, Körper, Wasser – und keine Ausreden. Wer diese Erfahrung weiter vertiefen möchte – jenseits von Leistung und Optimierung – findet auf meiner Webseite „Hausarztpraxis Dr. Ines Augele in Selva/Mallorca“ mehr zum ganzheitlichen Ansatz rund um Nervensystem-Regulation. Und wer Körperwahrnehmung auf eine außergewöhnliche, erfahrungsbasierte Weise erkunden will, kann über die pferdegestützte Selbsterfahrung einen sehr direkten Zugang zu innerer Regulation erleben.
Krankheit in der Partnerschaft: pferdegestützte Selbsterfahrung Mallorca
Pferdegestützte Selbsterfahrung Mallorca zeigt, wie Paare Klarheit und Zeit wieder gemeinsam finden:
Ein Pferd steht ruhig vor einer schmalen Engstelle im Parcours. Markus führt, Anna schaut zu. Kurz vor den Stangen wird Markus schneller. Er will durchkommen, Sicherheit geben. Das Seil wird straffer. Das Pferd bleibt stehen. Kein Drama, kein Widerstand – nur ein klares Signal: So funktioniert es nicht.
Die Szene macht sichtbar, wie schnell aus einem guten Impuls Druck entstehen kann – und wie wichtig gemeinsame Abstimmung wird, wenn das Leben das Tempo verändert.
Später sagt Anna: „Ich habe gesehen, wie sehr du wolltest, dass es klappt.“
Markus nickt. „Ich wollte Klarheit geben. Und habe gemerkt, wie schnell daraus Druck wird.“
Solche Momente kennen viele Paare, wenn Krankheit in die Beziehung kommt.
Plötzlich verändert sich das gemeinsame Tempo. Einer wird langsamer, erschöpfter, verletzlicher. Der andere versucht auszugleichen, zu organisieren, stark zu bleiben. Rollen verschieben sich – aus Partnern werden Patient und Unterstützer. Nicht, weil jemand etwas falsch macht, sondern weil das Leben sich verändert hat.
Der Alltag dreht sich nun um Termine, Therapien und das, was gerade noch geht. Was oft verloren geht, ist das feine Abstimmen: Wie geht es dir damit? Wieviel Tempo ist heute möglich? Wo brauche ich dich – und wo brauche ich Raum?
In der Hausarztpraxis zeigt sich genau das immer wieder. Hinter körperlichen Beschwerden stehen häufig auch Beziehungsspannungen und Überlastung. Krankheit wirkt nie nur im Körper. Sie greift in Partnerschaft, Alltag und Stabilität ein.
Ein häufiger Knackpunkt ist, dass Paare unbewusst gegensätzliche Strategien entwickeln. Der eine versucht, das Leben „am Laufen zu halten“: planen, entscheiden, Tempo machen. Der andere versucht, Kräfte zu sparen: reduzieren, abwarten, Rückzug. Beides ist verständlich. Problematisch wird es erst, wenn daraus ein Gegeneinander entsteht – als würde einer ziehen und der andere bremsen. Dann geht Energie verloren, und beide fühlen sich missverstanden.
Genau das war in der Szene mit dem Pferd sichtbar: Markus’ Impuls, „jetzt voranzugehen“, war nicht falsch – er war ein Versuch, Sicherheit herzustellen. Und das Stehenbleiben des Pferdes war kein „Nein“, sondern eine Rückmeldung: Wenn Tempo und Kontakt nicht zusammenpassen, entsteht Spannung. In Beziehungen zeigt sich das ähnlich. Wenn einer schneller Lösungen will, während der andere erst Luft holen muss, kippt das Miteinander leicht in Druck und Rückzug. Der „Ziehende“ erlebt den anderen als blockierend, der „Bremsende“ erlebt den anderen als überfordernd. Dabei wollen beide im Kern dasselbe: dass es weitergeht – aber auf eine Weise, die tragbar ist. Pferdegestützte Selbsterfahrung Mallorca macht Abstimmung im Erleben sichtbar.
Als Markus später neben Anna trat, wurde aus zwei Einzelstrategien eine gemeinsame: Klarheit und Zeit. Nicht mehr „ich setze durch“ oder „ich warte“, sondern „wir stimmen ab“. Für die Beziehung bedeutet das: Rollen müssen nicht festgeschrieben bleiben. Der schnelle Teil darf langsamer werden, der vorsichtige Teil darf klarer werden. Und beide können lernen, Signale früher zu bemerken – bevor aus guter Absicht ein Muster wird, das Distanz erzeugt. Genau dafür eignet sich pferdegestützte Selbsterfahrung auf Mallorca: Weil nicht nur darüber gesprochen wird, sondern weil man im selben Moment erlebt, wie Abstimmung entsteht.
Pferdegestützte Selbsterfahrung auf Mallorca: Klarheit und Zeit gemeinsam finden
Zurück zum Pferd. Als Anna später führt, geht sie langsamer. Sie wartet vor der Engstelle. Das Pferd bleibt ruhig, aber bewegt sich nicht von selbst. Zeit allein reicht nicht. Markus tritt neben sie.
„Vielleicht gemeinsam?“, sagt er.
Anna nickt.
Sie probieren es zusammen. Markus gibt einen klaren Rahmen, ohne zu ziehen. Anna bleibt im Tempo und im Kontakt. Ein Schritt, eine Pause. Noch ein Schritt. Das Pferd folgt – nicht aus Druck, sondern aus Abstimmung.
Genau darin liegt oft der Schlüssel, wenn Krankheit eine Beziehung verändert: nicht entweder Klarheit oder Rücksicht, sondern beides. Nicht einer zieht, der andere bremst – sondern beide finden ein gemeinsames Tempo.
„Ich versuche oft, uns voranzubringen“, sagt Markus am Ende.
„Und ich versuche oft, uns zu schonen“, antwortet Anna.
„Vielleicht geht es gar nicht darum, wer recht hat.“
„Sondern wie wir uns wieder finden.“
Krankheit belastet Beziehungen. Aber sie kann auch ein Anfang sein – für ein bewussteres Miteinander und neue Strategien, die nicht nur besprochen, sondern im gemeinsamen Erleben gelernt werden.
Wenn Sie pferdegestützte Selbsterfahrung auf Mallorca interessiert, finden Sie hier weitere Informationen und die Möglichkeit zur Terminvereinbarung.
Zum Verständnis, wie Pferde in Gruppen kommunizieren und soziale Ordnung herstellen, empfehle ich diesen Artikel über Herdendynamik bei Pferden
Erkaeltung oder Grippe – die aktuelle Lage in Deutschland und Spanien
Erkaeltung oder Grippe: der wichtigste Unterschied ist oft die Geschwindigkeit
Im Alltag wird „Grippe“ häufig als Wort für eine heftige Erkältung benutzt. Aber was ist der Unterschied zwischen Erkaeltung oder Grippe? Medizinisch ist Influenza eine Virusinfektion durch Influenzaviren, also ganz bestimmt Viren. – sie verhält sich anders als Infektionen durch andere Erkältungsviren: Sie kippt den Körper oft plötzlich in den „Notbetrieb“.
Praktischer Tipp für zu Hause:
Wenn Sie unsicher sind, hilft oft ein einfacher „Alltags-Check“: Bei einer Erkältung kann man sich meist irgendwie noch durch den Tag „retten“, bei Influenza ist das häufig nicht möglich – der Körper fordert konsequent Pause. Bei Corona ist das Symptom-Spektrum am breitesten: Es kann wie ein normaler Infekt wirken, aber auch mit auffälliger Erschöpfung starten. Wenn in Ihrem Umfeld gerade viele Infekte kursieren oder Sie Kontakt zu einer bestätigten Corona-Infektion hatten, kann ein Schnelltest die Einordnung erleichtern – besonders, wenn Sie Kontakt zu Risikopersonen haben.
Erkältung, Grippe oder Corona: Unterschiede auf einen Blick
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Merkmal |
Erkältung |
Grippe (Influenza) |
Corona (COVID-19) |
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Beginn |
schleichend (1–3 Tage) |
plötzlich (Stunden) |
oft eher schleichend, manchmal plötzlich |
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Fieber |
selten/mild |
häufig, oft > 38–39 °C |
möglich, variabel |
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Schnupfen/Heiserkeit |
häufig führend |
möglich, aber oft nicht führend |
häufig möglich |
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Husten |
eher später, oft mild |
häufig früh, oft trocken/quälend |
häufig, oft trocken |
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Kopf-/Gliederschmerzen |
eher mild |
oft stark |
häufig möglich |
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Erschöpfung |
mäßig |
häufig massiv |
häufig, teils ausgeprägt |
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Geruchs-/Geschmacksverlust |
untypisch |
untypisch |
möglich, aber nicht immer |
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Dauer |
meist 5–7 Tage |
meist 1–2 Wochen, Müdigkeit länger möglich |
oft einige Tage bis 1–2 Wochen, Müdigkeit kann länger anhalten |
Merke: Ohne Test sind das typische Muster – keine sichere Diagnose.
Ohne Test: nur Wahrscheinlichkeiten
- hoch (Grippe): plötzlicher Beginn + Fieber + starke Erschöpfung/Myalgien
- mittel: Fieber + Husten, Beginn unklar
- eher Erkältung: schleichender Start + Schnupfen/Heiserkeit im Vordergrund, wenig Fieber
- an Corona denken: Kontakt/Cluster + Husten/Halsschmerz + auffällige Müdigkeit (Test klärt)
Wie ist die Lage im Moment?
In Deutschland wie auch in Spanien sind gerade viele Erkältungsinfekte unterwegs – Schnupfen, Halskratzen, Husten, „angeschlagen sein“. Die echte Grippe (Influenza) ist zwar vorhanden und wird nachgewiesen, insgesamt aber nicht besonders stark ausgeprägt. Corona spielt ebenfalls eine Rolle, liegt im Moment aber deutlich unter dem Niveau von Erkältungen und Grippe.
Warum ich mich dabei auf Surveillance-Daten beziehe
Nach allem und trotz allem was wir in der Pandemie erlebt haben, möchte ich ausdrücklich für das System der Infektionsüberwachung eintreten: Es liefert eine Grundlage, um Krankheitslagen einzuordnen und medizinische Ressourcen sinnvoll zu planen.
In Deutschland gibt es dafür eine zentrale Stelle beim Robert-Koch-Institut (RKI). In Spanien existieren zwar ebenfalls Surveillance-Systeme und regionale Auswertungen, aber keine einzige zentrale Seite, auf der die landesweiten Zahlen so übersichtlich wöchentlich zusammengefasst sind wie beim RKI. Die lokalen Daten zeigen jedoch einen ähnlichen Trend: viele Atemwegsinfekte insgesamt, Influenza vorhanden aber nicht dominierend, Corona aktuell eher im Hintergrund.
Ergänzend ordnet das RKI die Wirksamkeit der Grippeimpfung in der aktuellen Saison als moderat ein. Das bedeutet: Die Impfung verhindert nicht jede Influenzainfektion, senkt aber insbesondere das Risiko für schwere Verläufe und Krankenhausaufenthalte. Ursache ist die fortlaufende Veränderung der Influenzaviren, weshalb der Impfstoff stets eine Annäherung, aber kein vollständiger Schutz ist.
Wenn Sie so ein Wochenbericht im detail interessiert, finden Sie ihn hier:
Wann zum Arzt gehen?
Atemnot/Brustschmerz, hohes Fieber > 3 Tage, deutliche Verschlechterung nach kurzer Besserung, Schwangerschaft, höheres Alter oder relevante Vorerkrankungen.
Noch zwei Situationen, die oft unterschätzt werden:
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Risikogruppen (z. B. chronische Herz-/Lungenerkrankungen, Immunsuppression, Schwangerschaft): Lieber früher abklären – nicht weil „alles gefährlich“ ist, sondern weil sich der Verlauf schneller ändern kann.
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„Zweiphasiger Verlauf“: Wenn es erst besser wird und nach 1–2 Tagen plötzlich wieder deutlich schlechter (neues Fieber, stärkerer Husten, Brustschmerz), sollte man an eine bakterielle Zusatzinfektion oder Komplikation denken und ärztlich draufschauen.
Und wenn Sie unsicher sind: Hier können Sie einen Termin vereinbaren: Termin
Ein Satz, der hilft
Selbst auf Mallorca macht die Sonne manchmal Pause – Sie dürfen das auch!



